BIM, IFC und BCF im Bauprojektmanagement: Datenmodelle & OpenBIM
BIM im Bauprojektmanagement bezeichnet eine modellbasierte Arbeitsweise, die sämtliche geometrischen, technischen und kaufmännischen Gebäudedaten in einem digitalen 3D-Zwilling bündelt und projektbeteiligten Fachplanern sowie Bauleitern zentral bereitstellt.
Papierpläne veralten schnell. Wer heute Baustellen leitet, kennt die Hektik, wenn Rohbauer, TGA-Planer und Statiker mit unterschiedlichen Planständen arbeiten. Ein Lüftungskanal verläuft plötzlich durch einen tragenden Betonunterzug, weil die Freigabe der Fachplanung im E-Mail-Postfach hängengeblieben ist. Solche Kollisionen fallen traditionell erst auf, wenn die Handwerker vor Ort stehen.
Genau an dieser Schwachstelle setzt das modellbasierte Bauen an. Anstelle isolierter Zeichnungen treten digitale Gebäudemodelle, die als gemeinsame Informationsgrundlage dienen. In unserer täglichen Projektarbeit bei DATEX sehen wir, wie offene Datenstandards den Bauablauf beruhigen. Unsere Softwarelösung AMADEUS.X verbindet dabei die technischen Daten des 3D-Modells direkt mit der operativen Bauabrechnung und dem Aufmaß nach VOB.
Der Wandel von 2D-Zeichnungen zum digitalen Zwilling
Die zweidimensionale Planung stößt bei komplexen Bauvorhaben rasch an Grenzen. Wenn Grundrisse, Schnitte und Detailplanungen manuell abgeglichen werden müssen, entstehen unweigerlich Übertragungsfehler.
Ein digitales 3D-Gebäudemodell verknüpft Geometrie mit Daten. Jedes Bauteil – ob Wand, Fenster, Stütze oder Rohrleitung – ist als eigenständiges Objekt im System hinterlegt. Neben den reinen Abmessungen enthält es Informationen zu Materialgüten, Brandschutzklassen, Preisen und Kostengruppen nach DIN 276.
Tritt eine Änderung in der Entwurfsplanung ein, passt sich das Modell an. Bauleiter müssen Maße nicht mehr mit dem Skalierlineal aus Papierabzügen abgreifen, sondern greifen direkt auf die modellierten Massen zurück. Das spart Zeit in der Arbeitsvorbereitung und reduziert Abstimmungsaufwände auf der Baustelle.
| Vergleichspunkt | Traditionelle 2D-Planung | ClosedBIM (Proprietär) | OpenBIM (Standardisiert) |
|---|---|---|---|
| Softwarewahl | Isolierte CAD-Programme, PDF, Papier | Gebunden an Software eines Anbieters | Freie Wahl spezialisierter Software je Gewerk |
| Datenaustausch | Manuelle Papiereinsicht oder E-Mail-Versand | Proprietäre Dateiformate der Hersteller | Neutral über IFC, BCF und GAEB-Schnittstellen |
| Mengenermittlung | Manuelles Abgreifen von Flächen aus Plänen | Intern über das jeweilige Monopol-System | Strukturierter Export für AVA und Bauabrechnung |
| Kollisionsprüfung | Visuell auf der Baustelle während des Baus | Möglich innerhalb einer Systemfamilie | Gewerkeübergreifend im Koordinationsmodell |
Die drei Pfeiler von OpenBIM: IFC, BCF und GAEB
Selten arbeiten alle Fachplaner eines Bauprojekts mit derselben Software. Architekten bevorzugen oft ein anderes CAD-System als Tragwerksplaner oder Ingenieure der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA).
Damit der Informationsfluss dennoch nicht abreißt, setzt die Baubranche auf OpenBIM. Dieses Prinzip nutzt offene, herstellerunabhängige Standards, sodass Beteiligte ihre bevorzugten Programme einsetzen können.
Industry Foundation Classes (IFC): Das neutrale Datenmodell
Die IFC-Schnittstelle bildet das Fundament für den Austausch geometrischer und alphanumerischer Gebäudedaten. Als offener Standard der ISO definiert IFC, wie Bauteile strukturiert beschrieben werden.
Eine Außenwand ist in einer IFC-Datei nicht bloß eine Ansammlung von Linien. Sie trägt Merkmale wie Schichtaufbau, Betonfestigkeitsklasse, Kubikmeter-Volumen und die Zuordnung zum Erdgeschoss. Bauleiter importieren diese Geometrien direkt in Arbeitsvorbereitungssysteme, um Massen für Ausschreibungen vorzubereiten.
BIM Collaboration Format (BCF): Modellbasiertes Mängel- und Ticketmanagement
Entdeckt der Bauleiter im virtuellen Koordinationsmodell eine Überschneidung zwischen einer Kabeltrasse und einer Lüftungsleitung, muss er nicht das gesamte 3D-Modell neu verschicken. Er nutzt dafür das BCF-Format.
Ein BCF-Ticket ist eine schlanke Datei, die ein konkretes Problem beschreibt. Es enthält die exakten 3D-Koordinaten im Modell, einen Blickwinkel der virtuellen Kamera, Screenshots, Anmerkungen und eine Frist für die Überarbeitung. Öffnet der TGA-Planer das BCF-Ticket in seiner CAD-Software, springt die Kamera automatisch an den Ort der Kollision. Das vereinfacht das Mängelmanagement spürbar.
GAEB-Datenaustausch und IFC: Die Verbindung zur VOB-Abrechnung
Reine 3D-Geometrie hilft wenig, wenn die kaufmännische Zuordnung fehlt. Die Verknüpfung von IFC-Modelldaten mit strukturierten GAEB-Leistungsverzeichnissen stellt sicher, dass Mengen automatisiert in Positionen überführt werden.
Über GAEB-Standards erfolgt die Übergabe von Ausschreibungen, Angeboten und Aufmaßen. Ausführliche Details zu den gängigen Austauschformaten stellt der GAEB-Verband bereit.
Praxis-Tipp: VOB/C-konformes Aufmaß direkt aus dem Modell
Wer IFC-Bauteildaten für das Aufmaß verwendet, sollte aufpassen: Das rein geometrische Volumen aus dem 3D-Modell stimmt nicht immer mit den Abrechnungsregeln der VOB/C überein. Gemäß ATV DIN 18299 werden Aussparungen oder Durchbrüche bis zu einer bestimmten Größe (z. B. 2,5 m² bei Wandflächen) beim Aufmaß übermessen. In AMADEUS.X hinterlegen Sie VOB-spezifische Messregeln, damit aus den Modelldaten prüffähige Aufmaßaufstellungen entstehen.
Common Data Environment (CDE): Die zentrale Datenbasis im Bauprojekt
Ein Bauprojekt erzeugt Unmengen an Dokumenten, Plänen und Berichten. Ohne strukturierte Ablage arbeiten Handwerker rasch mit veralteten Unterlagen.
Die Common Data Environment (CDE) fungiert als zentrale Projektplattform für alle Projektbeteiligten. Sie organisiert den gesamten Datenfluss und stellt sicher, dass Informationen nach definierten Freigabestufen bereitgestellt werden.
- ✓ In Bearbeitung (Work in Progress): Der Fachplaner konstruiert lokal im CAD. Andere Gewerke sehen diesen Entwurf noch nicht.
- ✓ Freigegeben zur Koordinierung (Shared): Das Modell wird hochgeladen. Der Koordinator führt Kollisionsprüfungen durch.
- ✓ Freigegeben zur Ausführung (Published): Prüfingenieure und Bauleitung haben die Daten freigegeben. Dieser Stand ist verbindlich für die Baustelle.
- ✓ Archiviert (Archived): Alle Zwischenstände bleiben nachvollziehbar gespeichert, um spätere Gewährleistungsansprüche abzusichern.
Rechtliche Nachweispflicht: Bedenkenanmeldung und VOB/B
Arbeitet ein Handwerksbetrieb auf der Baustelle nach Plänen, die nicht über die CDE freigegeben wurden, entstehen Haftungsrisiken. Nach § 4 Abs. 1 VOB/B ist der Auftraggeber verpflichtet, die notwendigen Unterlagen bereitzustellen. Stellt der Auftragnehmer Unstimmigkeiten in den Ausführungsunterlagen fest, muss er proaktiv schriftlich Bedenken anmelden, um sich rechtlich abzusichern.
Operative Bauablaufsteuerung mit AMADEUS.X
Ein 3D-Viewer hilft im Projektalltag nur dann weiter, wenn die Daten nahtlos in die operative Bauleitung fließen. Genau an dieser Stelle setzt DATEX an.
Mit AMADEUS.X verknüpfen Bauleiter modellbasierte Informationen mit konkreten Abläufen auf der Baustelle. Mängel-Tickets aus BCF-Dateien werden erfasst, Fristen überwacht und Nachunternehmern direkt zugeteilt. Die ermittelten Massen fließen ohne doppelte Datenerfassung in die VOB-Abrechnung, Bautagebücher und Gantt-Terminpläne.
Mehr Informationen zu den Funktionen unserer Bauträgersoftware AMADEUS.X sowie grundlegende Erläuterungen zu Bauleistungen finden Sie in unserem DATEX Baulexikon.
Typische Stolpersteine bei der BIM-Einführung und wie Bauleiter sie vermeiden
Die Einführung von OpenBIM scheitert in der Praxis selten an der Software. Meist fehlen klare Absprachen und verbindliche Vorgaben vor Projektbeginn.
- 1. Fehlende Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA): Wenn der Bauherr nicht exakt festlegt, welche Daten er benötigt, liefern Fachplaner unvollständige Modelle.
- 2. Unvollständiger BIM-Abwicklungsplan (BAP): Ohne verbindliche Regeln für Dateinamen, Schnittstellen und Nullpunkte entstehen Fehler beim IFC-Import.
- 3. Falscher Detaillierungsgrad (LOD): Ein zu hohes Detaillierungsniveau in frühen Leistungsphasen überfordert das Modell. Ein zu niedriger Stand in der Ausführungsplanung erschwert die Ausschreibung.
- 4. Fehlende Anbindung an die Rechnungsprüfung: Modelldaten verpuffen, wenn sie nicht direkt in Systeme wie AMADEUS.X zur Nachunternehmer-Steuerung übertragen werden.
Häufige Fragen zu BIM, IFC, BCF und CDE (FAQ)
In der täglichen Praxis von Bauleitern und Projektentwicklern tauchen regelmäßig wiederkehrende Fragen auf.
Was unterscheidet OpenBIM von ClosedBIM?
OpenBIM nutzt neutrale, offene Datenstandards wie IFC und BCF. Alle Beteiligten können mit ihrer bevorzugten Software arbeiten. ClosedBIM verlangt dagegen die durchgängige Nutzung proprietärer Programme eines einzigen Herstellers.
Wie vereinfacht BCF die Kommunikation auf der Baustelle?
Statt schwerer 3D-Modelle überträgt das BCF-Format schlanke Tickets mit Texten, Fotos und Koordinaten. Der Bearbeiter klickt auf die BCF-Nachricht und seine Software springt direkt an die betroffene Stelle im Bauwerk.
Welche Hardware und Software benötigen Subunternehmer auf der Baustelle?
Nachunternehmer benötigen keine teure CAD-Software. Mobile Endgeräte mit kostenfreien IFC-Viewern oder Bauleiter-Apps reichen aus, um Ausführungspläne einzusehen und Aufgaben abzuarbeiten.
Wie schlagen Bauunternehmen die Brücke zwischen BIM und der VOB-Bauabrechnung?
Softwarelösungen wie AMADEUS.X lesen die Geometriedaten aus dem IFC-Modell aus und übersetzen diese unter Berücksichtigung der VOB/C-Regelwerke in prüffähige Aufmaße und Abrechnungspositionen.
Bereit für die digitale, modellbasierte Bauablaufsteuerung?
Lernen Sie AMADEUS.X in einer persönlichen Präsentation kennen und erfahren Sie, wie Sie Ihre Bauprozesse von der Arbeitsvorbereitung bis zur VOB-Abrechnung verbinden.
Quellenangaben & weiterführende Links
Für eine vertiefende Beschäftigung mit den baurechtlichen und technischen Grundlagen finden Sie hier maßgebliche Primärquellen und weiterführende Informationen:
- § 4 VOB/B – Ausführung der Bauleistung (Dejure)
- Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im Bauwesen (GAEB e.V.)
- DIN 69901-1 – Projektmanagement und Netzplantechnik (DIN Media)
- DATEX – AMADEUS.X Bauträgersoftware & Bauabrechnung
- DATEX Baulexikon – VOB-Grundlagen & Fachbegriffe

